Richtig packen 2.0

Nach der ersten langen Tour habe ich mir einige Gedanken zum Thema Ausrüstung gemacht. Ich möchte zukünftig mehr MTB Feeling haben und dazu muss in erster Linie Ballast weichen. Gleichzeitig führ mich die kommende Strecke durch weit abgelegenere Landschaften und die Distanzen werden wahrscheinlich zu Groß sein um tagtäglich in Hostels und dergleichen unterkommen zu können. Dennoch muss es doch einen Weg geben leichter unterwegs zu sein.

Die erste Tatsache der ich mich dabei stellen muss ist eigentlich nicht neues „Gepäck läppert sich“ viele Ausrüstungsgegenstände wiegen nur wenige Gramm aber sehr oft mal wenige Gramm sind immer noch sehr viele Gramm. Ich habe mir also Tatsächlich die Mühe gemacht und jedes einzelne Teil meines Gepäcks mit der Küchenwage abgewogen. – Ja auch 1g schwere Magnesium-Sticks denn davon habe ich nicht weniger als 46 dabei und auch eine leere 1 Liter trinkflasche wiegt mal eben 84 Gramm wobei eine 0,75L Trinkflasche lediglich 3 Gramm leichter ist!

Beim Gewichtsparen geht es in erster Linie um 2 Fragen:

Was brauche ich wirklich?
Was ist mir ein Gramm Gewichtsersparniss Wert?

In vielen Punkten heißt es dabei Kompromisse einzugehen und auch ich konnte mich bis Heute nicht dazu durchringen in allen Punkten eine Entscheidung zu treffen. Stand Heute habe ich Gegenüber meiner letzten Tour mein Gepäck jedoch bereits von 36,8 KG auf 24,5 kg reduziert – zusätzlich habe ich noch 4,6 kg Einsparpotential.

Am Rad selbst habe ich nichts eingespart da es hier als aller erstes an Haltbarkeit und Komfort geht. Mein Gepäck habe ich für eine tiefere Analyse in folgende Gruppen unterteilt: Kleidung, Kochen, Hygiene, Elektro, Schlafen und Sonstiges.

Kleidung

Kleidung war unheimlich schwer, da ich auf den nächsten Strecken Pässen mit bis zu 3800 hm zu überwinden habe ist das Wetter unberechenbar und sparen an den falschen Stellen könnte hier lebensgefährlich sein. Daher lässt sich hier eigentlich nur auf 2 Arten sparen.

1. Mehr stinken – also weniger Wechselklamotten, da wo man nicht waschen kann riecht es schließlich eh niemand! Dementsprechend sind einige T-Shirts, Jeans und Stadttaugliche Kleidung sowie sneakers aus dem Gepäck gewandert. Allerdings kamen einige wärmere Kleidungsstücke hinzu so das meine Kleidung insgesamt schwerer ist als vorher.

2. Geld ausgeben – fast alles was man anziehen kann gibt es auch in light oder gar untra light, wobei die preise entsprechend heavy bis ultra heavy sind. Wenn man hier tief in die Tasche greifen möchte kannn man einige Kilogramm sparen.

Ich habe meine Gewichtstabelle um 3 Spalten ergänzt und für jedes einzelne Teil die mögliche Ersparniss errechnet und diese mit Kosten und Kosten pro Gramm vermerkt – nicht selten stehen dort Werte von einem oder gar mehreren Euro pro Gramm – ich könnte also noch immer lockere 2-3 kg einsparen wenn ich bereitwäre dafür 3 bis 5 Tausend Euro auf den Tisch zu legen – da ich jedoch nur Radfahren gehe und keinen Berg besteige lasse ich dies lieber.

Kochen

Kochen war relativ einfach, da ich alleine unterwegs bin, koche ich eigentlich nur in Notfällen oder wenn ich ohnehin eine richtige Küche vor mir habe für mich selbst. Der Gedanke an Notfälle hat für die Kommende Etappe erst mal 2kg zusätzliches Gepäck in meine Taschen gebracht. schließlich möchte ich nicht auf einem einsamen Bergpass verhungern. Dafür sind der Alles-Brenner inkl. Benzinflasche und 600ml Benzin sowie das Topfset, die Gewürze und das Kochgeschirr rausgeflogen und wurden durch einen Esbit-Notfall Kocher inkl genügend Brennstoff ersetzt – sparrt ganze 1,85 kg und kostet weniger als 20 Euro.

Hygiene

Es geht nicht auf den Mond also kann ich zumindest in jedem größeren Dorf alles wichtige Nachkaufen. Daher habe ich ordentlich ausgemistet und bin auf kleinere Packungsgrößen umgestiegen. Der Kulturbeutel ist gleich mit rausgeflogen und wurde durch eine Gefriertüte und ein Gummi ersetzt, genauso Wasserdicht und 180gr leichter und das fast für Noppes! Die kleineren Packungen haben noch mal weitere 680 Gramm gebracht.

Elektro

Das große Nerd-Problem, noch immer sind Macbook-air, Digitalkamera, GoPro und Iphone im Gepäck obwohl ich allein an Laptop und Kamera 1,7kg sparen könnte. Immerhin wurde das Ipad sowie 2 Bücher durch ein Kindle ersetzt, welches gleichzeitig so sparsam ist das ich es in 2 Monaten wahrscheinlich nicht nachladen muss. Zudem sind etliche Kabel aus den Taschen geflogen und ich konnte fast 1,1 kg sparen. Davon ausgehend das ich auf weiten teilen der kommenden Strecke weder Strom noch internet haben werde wäre das Macbook der einfachste Weg diese Ersparnis zu verdoppeln, für mails und Co reicht immer noch das Iphone. Mit der Digital Kamera tue ich es mir hier fast noch schwerer obwohl der Qualitätsunterschied der Bilder zu einer Kompakten bei meinem nicht vorhandenem Talent wahrscheinlich nicht spürbar sein wird.

Schlafen

Hier habe ich mir zunächst eine wesentlich leichtere Isomatte gegönnt und so 320 gramm eingespart – eine weitere Option wäre komplett auf das Zelt zu verzichten und lediglich einen Biwak-Sack mitzunehmen – wären immerhin noch einmal 650gramm jedoch weiß ich nicht ob ich künftig mehr Nächte im Zelt verbingen muss, wie kalt es wirklich wird und ob ich in diesem Biwak-Sarg überhaupt schlafen kann.

Sonstiges

Hier flog zunächst einiges an überflüssigem oder gar doppelten Werkzeug raus. Zudem sind die beiden Fronttaschen sowie die Lenkradtasche rausgeflogen, denn wer weniger mitnimmt brauch auch weniger Gepäck. Zusammen wogen die 3 Taschen auch stolze 2KG. Die Tasche von hinten wurde gegen einen Rucksack ersetzt, dieser ist zwar minimal schwerer kann aber zum einen ebenfalls auf den Gepäckträger geschnallt werden – in hartem Gelände aber auch auf den Rücken wandern und so die Fahreigenschaften deutlich verbessern.

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